
Die Kunstklimahalle ist eine mobile Plattform, auf der Natur und Kultur im Pilotquartier Netto-Null in einen Dialog treten. Sie ist ein offener Ausstellungs- und Begegnungsort, an dem Kunst den klimabedingten gesellschaftlichen Wandel verhandelt. Kunst schafft sinnliche und emotionale Erfahrungsräume, die über die rationale Auseinandersetzung hinausgehen. Kunst berührt, irritiert und eröffnet den Zugang zu neuen Perspektiven. Sie macht erfahrbar, dass Klimafragen nicht allein technische Lösungen erfordern, sondern auch unsere Werte, Gewohnheiten und unser Zusammenleben betreffen.
Während drei Jahren geben wechselnde Kunstausstellungen Impulse für ein vielfältiges Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm. Quartierbewohnende jeden Alters sind eingeladen, sich mit dem Leben in einer Netto-Null-Gesellschaft auseinanderzusetzen – durch Erleben und Ausprobieren ebenso wie durch gemeinsames Nachdenken und Austauschen.
Die mobile Plattform besteht aus zehn flexibel kombinierbaren Elementen, die sich an verschiedenen Orten zu einer 25 m² grossen Ausstellungsfläche zusammenfügen lassen. Die eingeladenen Künstler:innen gestalten den Raum damit jeweils passend zu ihrer Ausstellung. Begleitet wird die Kunstklimahalle von einem Lastenfahrrad, das als Informationsstand, Kräuter-Bar und Museumsshop dient und die Vermittlung vor Ort unterstützt.

Für wen ist das Projekt gedacht?
Die Kunstklimahalle mit ihrer niederschwelligen Struktur und ihrem breit gefächerten Mitwirkungsangebot richtet sich an alle Quartiersbewohner:innen, die im Quartier Arbeitenden, Senior:innen aus Wohn- und Pflegeheimen der Umgebung, Kitas und Schulen im Schulkreis Uto, die Netto-Null- und Kunst-Szene sowie allen anderen Interessierten aus Stadt und Kanton. Die Zusammenarbeit mit anderen Pilotquartier-Projekten, dem Quartierverein Wiedikon und dem Ortsmuseum wird bewusst gesucht oder ist bereits im Gange. Kooperationen mit der Kunsthochschule für die Vermittlung und der Architekturabteilung der ETH für den Bau sind integrativer Bestandteil der Umsetzung.
Wie trägt euer Projekt zu einem klimafreundlichen Pilotquartier bei?
Die Kunstklimahalle soll in erster Linie klimafreundliches Verhalten fördern. Dabei soll weit über das Netto-Null-Pilotquartier hinauswirken und das Denken und Handeln in Bezug auf die klimabedingte Transformation verändern.
Konzept
Heute stehen uns unzählige, konkrete Möglichkeiten zur Verfügung, Treibhausgase zu vermeiden. Leider stehen wir uns selbst im Weg. Wir bekommen die Tür, die in eine Zukunft ohne Zerstörung der Lebensgrundlagen führt, nicht auf. Kunst und Kultur können ein Schlüssel sein, um auf die Veränderung von Einstellungen und Verhalten einzuwirken. Denn Kunst funktioniert anders als das reine Vermitteln von Wissen. Sie spricht Menschen nicht nur über Argumente, sondern auch über Gefühle und persönliche Erfahrungen an. Dadurch kann sie Themen auf eine Weise zugänglich machen, die rein sachliche Informationen allein oft nicht erreichen. Als Künstlerduo, das in der Binz gearbeitet und gelebt hat, und sich seit mehr als 20 Jahren mit Klimafragen beschäftigt, möchten wir im Rahmen des Pilotprojekts Netto-Null mit der Kunstklimahalle diese verschlossene Tür für das Quartier, die Stadt Zürich und darüber hinaus, einen Spalt weit öffnen. Dabei werden wir von zahlreichen Künstler:innen und Kurator:innen unterstützt, die sich auf sehr unterschiedliche Art mit den Implikationen des Klimawandels auseinandersetzen.
Auch die bauliche Struktur der Kunstklimahalle wird als Experimentierfläche genutzt. Im September 2026 erfanden 42 Architekturstudierende vom ETH-Entwurfslehrstuhl Studio Maria Conen die Kunstklimahalle in einem zweitägigen Workshop radikal neu. Sechs Gruppen inszenierten an unterschiedlichen Standorten im Quartier abstrakte Hüllen, Plätze für Begegnungen und alternative Narrative.
Diese frischen Ansätze führten bei der Überarbeitung der „Halle” zu einer mobilen Plattform. Die zehn veloanhängertauglichen Elemente lassen sich einfach von Hand oder mit dem Velo an unterschiedliche Orte im Quartier transportieren. Zwischenräume erlauben den Einbau von Wänden und Stützen. So kann jede Ausstellung in der erforderlichen Form und den Bedürfnissen entsprechend umgesetzt werden.

Welchen Nutzen schafft das Projekt für die Menschen im Pilotquartier?
Im Mittelpunkt stehen ortsspezifische, temporäre Kunstausstellungen von lokalen und internationalen Künstler:innen, die sich mit der Zukunft in Zeiten des sich wandelnden Klimas beschäftigen. Die Interventionen ermöglichen Kunst, Quartierleben und Nachhaltigkeit zu verbinden. Die wechselnden Standorte führen zu ungewohnten Quartiernischen und beziehen jeweils neue Anwohnende mit ein. Das Projekt bringt Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe im Pilotquartier zum Netto-Null-Leben zusammen. Der klimafreundliche Umzug per Fahrrad oder mit geeinten Kräften zu Fuss stärkt das Gemeinschaftsgefühl und das Vertrauen, dass gemeinsames Handeln Veränderung bewirken kann.
Für die Vermittlungsangebote und Mitwirkungsmöglichkeiten ist eine Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste, Departement Kulturanalysen und Vermittlung, in Vorbereitung. In dieser Kooperationsollen neue Formen der Kunstvermittlung erdacht und ausprobiert werden. Mit partizipativen Angeboten wie dialogische Führungen, Workshops, Peer-to-Peer-Vermittlungen oder offenen Ateliers sollen Kinder und Jugendliche, Kitas und Schulen eingebunden werden.
Gesprächsreihen, Kunst-Aktionen, Werkstattgespräche und Making-of-Einblicke eignen sich sowohl für Kunstaffine aus der ganzen Stadt als auch kunstferne Menschen, die im Pilotquartier leben oder arbeiten, um sich einen erweiterten Zugang zu den klimabedingten Transformationsprozessen durch Kunst zu erschliessen.
Ältere Personen aus dem Quartier und angrenzenden Gesundheitszentren sollen als Zeitzeug:innen mitwirken, aus ihrem reichen Erfahrungsschatz erzählen und dabei Bewährtes und Vergessenes wieder aufleben lassen.
Weitere Veranstaltungen wie beispielsweise den Einbezug von prominenten Personen aus dem Quartier haben das Potential Quartieransässige anzuziehen, welche sich sonst nicht für Kunst interessieren.
Kooperationen mit dem Quartierverein und dem Ortsmuseum werden bewusst gesucht und entwickelt. Die Zusammenarbeit mit folgenden Pilotquartier-Projekten ist bereits geplant oder wird angestrebt:
- Klimagarten Wiedikon
- Quartierwährung
- Solidarische Landwirtschaft ins Binzquartier holen
- Weniger Werbung, mehr Wiedikon – Platz für Ideen statt Konsumdruck
- Klangschmiede Wiedikon – ein Chorprojekt
- «Steh auf!» für Klimaschutz – Comedy-Akademie fürs Pilotquartier
- «Rotach Resilienz» – von Asphalt zu Lebensraum
- «Asphalt spalten» als Bildungsworkshop für Schulklassen und Quartierbewohner:innen
- Bauteillager Binz
- Balkonkraftwerke für das Pilotquartier Netto-Null
- Strassen für alle
- «teXquarium»: ein gläserner Kleiderschrank fürs Quartier
- «Repair Express» – mobiler Reparaturservice fürs Quartier

Wo soll das Projekt stattfinden?
Die aus zehn veloanhängertauglichen Elementen (1 x 2.5 x 0.4 m) zusammengesetzte Plattform lässt sich an unterschiedlichen Orten im Quartier neu gruppieren und nimmt rund eine Fläche von zirka 25 m2 in Anspruch. Die Zwischenräume ermöglichen den Einbau von Wänden und Stützen. Geplant sind jährlich drei Ausstellungen während den Sommermonaten. Die Ausstellungen werden von einem Lastenfahrrad begleitet, das gleichzeitig als Informationsstand, Kräuter-Bar und Museumsshop funktioniert und die vermittelnde Aufsichtsperson vor Sonne und Regen schützt.Mögliche Standorte könnten rund um den Bahnhof Binz, um das ewz-Unterwerk, um die Kollerwiese, hinter der Räffelstrasse, auf dem Areal des Schulhauses Rebhügel oder der reformierten Kirche oder in einem Innenhof liegen
